Oberstübchen

Ins Gästestübchen führt eine lange quietschende, dicht bestufte Alutreppe. Ist man oben, erlebt man sich auf einem fast fensterlosen ellenlangen Dachboden. Ich liebe die Situation dort oben, fühle mich wohl da und wäre nicht das Zeitalter der Handygeräte und Waffenexperten, würde ich nun hier liegend und mich geborgen fühlend in aller Ruhe ein Buch von E. Adnan studieren wollen. Stattdessen ist die Nachricht über Raketenabwehr im Raum und die Aussage, die ich prokrastinierend und um vom Thema Gewalthaufen abzulenken, immer wieder neu, in einem alten Buch (über einen ebenso alten Kupferstecher) entdeckt, abzulesen beginne, nämlich die, dass je großartig der Geistesflug eines begnadeten Menschen wird, um so eher alltägliche allzu menschliche Begegnungen Ärgernis und Aufregung bringen, kann nicht so viel überdacht werden, wie es ihr im Grunde zu steht. Der November steht dann breitbeinig aber liebenswert vor mir und ich beschließe den Kopf abzulegen und von einem heissen Kakao zu träumen. Mein Leben sowieso schon komplett vergrübelt genug.

B.i.Alfred, 16.11.22


%d Bloggern gefällt das: