Aus den Zeiten eines Strumpfhosentieres (1)

Erinnere mich an Zeiten, wo man, als kleiner Fratz, sobald Schneeflocken rieselten, dermassen in Verzückung geriet, dass man als aufgelöstes Strumpfhosentier durch die Wohnung sprang wie ein Ziegenböckchen und aufs Schlittenfahren drängte. Hätte man sich erinnert, was jedes Jahr aufs Neue auf einen zukommen würde, dass der Vater nämlich beim Rodeln lediglich das Schneller, Höher, Weiter im Kopf haben würde und einem, wenn man an ihm Vorbeisausen würde, zu allem überflüssigen Wettbewerbsgetue mit anderen Vater-und Muttertieren, einen mindestens melonengrossen Schneeklotz auf die Haube werfen täte, wäre die Freude nicht immer wieder so ausladend ausgefallen. Der Fratz dann immer deprimiert, aber nicht nachtragend. Heutzutage lächelt man beim ersten Schneefall ausschließlich vor sich hin und legt, wenn man dran denkt, die Platte auf, die teilweise so schön zum Ereignis passt, weil sie ähnlich sehnsüchtige Töne verbreitet, wie das Gewirbel erster Flocken im Jahr. Ist dieser Moment da, entsteht automatisch eine ruhige Geistesklarheit, die tatsächlich nun, in jenem Augenblick von ganz alleine da ist. Kein Durchringen ist dann erforderlich, alles fliesst und das zerknirschte faltig sich anfühlende Gesicht (der Engländer nennt es a pensive Face), ist dann wie gebügelt glatt und fühlt sich wieder wie ein ganz normales Gesicht an, das nicht schreien muss, um erhört zu werden.
Vor genau einem Jahr las ich Panizzas Menschenfabrik. In diesem Zusammenhang entdeckte ich das Zitat: Wer bescheid weiss, kann nicht schreiben. Ich notierte es, denn es gefiel mir. Wie gut, dass ich generell nicht gut bescheid weiss, sonst könnte ich nicht einmal gut schreiben. Genauigkeiten sind mir anstrengend und somit geschehen ab und an Wirrheiten. Bei der Hautpflege schmierte ich mich neulich versehentlich mit einem Brotaufstrich ein. Ein Geschenk, auf dessen Verpackung ich diese Aloe Vera erkannt hatte, jedoch die giftgrüne Farbe nicht mit einem Nahrungsmittel in Verbindung brachte. Zu klein dann die Schrift um Genaueres zu erfahren und der Duft dann für eindeutig pflegend gehalten. Der krustige Überzug auf der Haut dann unangenehm. Ich entfernte alles mit warmem Wasser. Als Kind schob ich, wenn ich mich leer fühlte, gerne die bestrumpfhosten Füsschen ein Stück unter den Teppich, überhaupt liebte ich es etwas auf meine Füsse zu legen. Manchmal bat ich sogar den Vater sich auf diese zu setzen. Das Gewicht beruhigte dann alle Kribbeligkeiten. Er las dann Zeitung und sass schief herum.

© Bettie I. Alfred, 2.12.22


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