Müde Freunde

Müde mit dem befreundeten und ebenso ruhebedürftigen Schriftsteller im Park herumgesessen und Menschen mit Hunden beobachtet. Dann den Brief eines Professor Doktor aus dem Jahre 1976 vorgelesen, den dieser dem Autor nach Erscheinen seines Erstlings geschrieben hatte. Fast zwei A4 Seiten eng mit der Schreibmaschine beschrieben. Die Kritik erbarmungslos und großspurig. Ich brach dann ab mit dem Vorlesen. Mit dem habe er sich später dann noch getroffen, so der Schriftsteller. Wir machten dann noch Witze über diesen hochnäsigen Professor und erfreuten uns an dem strahlenden Himmel und den grünen Blättern.
Die Farben nun das Wichtigste und die Natur. Auch die Hunde seien Natur, sagt er und ich gebe ihm recht. Danach mache ich ihm sein Allerlei-Essen warm. Nudelsalat mit Linsensuppe, Joghurt und Orangensaft in einem, er mag das und als er die Schokoladenkekse sieht, greift er diese und bröselt sie dazu. Ob ich probieren wolle, fragt er dann und ich verneine. Dann lese ich noch was aus seinen Zimmer-Zetteln vor, die überall herumliegen. Ein paar Sätze über die Liebe:

„Wer sich aufdränge, erweise sich nicht. Von Bedeutung sei nur Verschwiegenheit.“

Ich frage, ob er das befolgt hätte und er lacht:“Natürlich nicht!“ „Wir Quatschtanten sind restlos verloren!“ entgegne ich und er nickt. Ich lese einen weiteren Satz:

„Ohne Zeugen, ohne Zeugnisse, ohne Bezeugungen – wenn Liebe darauf verzichten könne – was gäbe es mehr?“

Ich schweige. Dann verabschiede ich mich, der alte Mann ist müde. Ich klopfe ihm auf die Schulter, wie immer und würde ihm gern etwas Schönes sagen. Ich halte mich dann an den Satz und sage nur: bis übermorgen.

© Bettie I. Alfred




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