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hundsgemein

November 27, 2022

Kaum kommt die Sonne aus ihrem Bunker heraus, droht wieder ein verrheumater Tag. Nichts fliesst mehr, alles stockt, ob dieses enormen Lichts, das einen nicht in Ruhe lassen kann. Wie eine Art Hünenweib steht sie vor mir, die Helligkeit – will gesehen und bestaunt werden. Anstatt ich durch sie bestärkt werde, wird es mir langfädig und ich erkenne mich als mickriges Etwas wieder, dass nun gerne ein Erdtier wär, das sich einfach in seinen Bau verkriechen könnte. Doch man ist nun mal ein Mensch geworden und hat Rechte und Pflichten. Die erste Pflicht: Lass die Sonne in dein Herz. Die zweite: Normalverteilung deiner Erinnerungen, um die kurzzeitig immer wieder auftretenden Kakonkrisen zu vermeiden (Kakonkrise. Ich entdeckte diese Bezeichnung in einem veralteten Lexikon der Psychologie und mochte ihn gleich, weil niemand ihn kennt und somit die Hysterie, die damit in Verbindung stehen kann, nicht an den Tag gebracht wird, sondern lediglich das weitaus kleinere Wort Krise im Zentrum steht). Krisen sind so menschlich, wie das Schlafbedürfnis und die Tendenz aus übertriebenem Gerechtigkeitsempfinden heraus, ungerecht zu werden. Beim Gucken des Faust Theaterpreises, wird klar, was gerade nicht mehr zählt: Stille, Zurückhaltung, leise Töne. Man mag es laut, bunt und schrill, keine hauchfeine Poesie, nur eindeutige Schlagworte zählen. Ich träume in der Nacht dann, dass mich während ich in einem vertraulichen Gespräch bin, eine Person stört, in dem sie hinter mir ins Zimmer tritt und mich von dort aus maßregelt. Dies völlig ohne vorher zu fragen. Ich werde böse wie ein Wolf und jage die Störende davon. Danach ist die Person mit der ich vertraulich sprach entsetzt. Ich wachte dann auf und sagte laut, noch im Dämmerzustand in den Raum das Wort hundsgemein hinein. Dann schlängelte ich mich langsam in den längst angebrochenen Tag. Was dann kam ist ja bekannt: die Sonne.

© Bettie I. Alfred, 27.11.22