Ein Mensch im Zug sieht auf mein vergilbtes Buch, das ich steif vor mich hin lese, auch, um mich nicht unterhalten zu müssen, und sagt, während er auf mein Buch zeigt, und, nachdem er gebannt in sein schwarz glänzendes Handy gestarrt hatte: „Das ist viel besser !“ Ich nicke und nun folgt sein Bericht, in dem er ausschließlich Dinge aufzählt, die er macht und die nicht gut seien: Boxsport, ins Gym gehen, Proteine schlucken. Dann ein neues Thema: Sein Bruder habe einen Imbiss in Neukölln. Ich lache und sage, dann habe er wenigstens immer was zu essen. Dann sagt er, dass er ein neues Handy brauche und zeigt mir sein Zweijähriges im Detail. Ich halte es für ein intergalaktisch modernes. „Ist alt, zwei Jahre schon!“ Sagt der Mann und jongliert dann mit Zahlen, die wohl die Modelle, die existieren, bezeichnen und ich überlege krampfhaft, ob mein Modell in der Tasche überhaupt schon eine Zahl hat. Ich lass es dann lieber in der Tasche und lese weiter. Er will mir dann eine Packung Schmerztabletten schenken und ich frage mich, ob ich leidend aussehe. Er habe eine Nierenproblematik. „Ah, dann nimm du sie doch!“ sag ich schnell und hastig, und alles wirkt dann merkwürdig unpassend und ich bin froh als man aussteigen muss. Er gibt mir zum Abschied die Hand und sagt: „Nice to meet ju!“ „Ju tu!“ sag ich und fühle mich wie eine Außerirdische. In Berlin fahre ich dann schwarz mit der S-Bahn nachhause und bin konzentriert auf mögliche Kontrolettis und fühle mich wie früher mit 16, wo man immerzu ohne Geld und Tickets durch die Stadt fuhr. Mut kam gut an damals.