Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Kurze stille anstatt lange und immerzu schlenkernde Arme

Juli 1, 2026

Jemand erzählt sein Leben. Ich bin bewegt. Es ist ein Leben, das sich ergab, weil jemand wusste, was er will.
Das rührt mich, denn ich weiss zwar auch was ich will, aber nur, wenn ich meinen Wohnbezirk nicht lange verlassen muss. Muss ich das, bin ich schnell verwirrt und weiss nicht mehr was ich will. Frau Winkler war der jemand, der mich so bewegte. Sie sprach auch über Hamlet. Wie sie das tat war bezaubernd. Sie sprach über ihre Angst vorm Versagen und wie sie das tat, war so, wie ein Kind übers gespannte Seil geht. Ein Geschehen, das alles andere als feige ist. Ich erinnere dann ein Kind, das sich nach ewigem Zögern getraute vom Dach eines Holzhäuschens zu springen, das auf einem Spielplatz stand und von dem alle andern sprangen wie Wilde. Nur es nicht. Ich hielt dann von unten seine Hand und versuchte zu helfen. Dann sprang es. Und strahlte. Es war ein Schulkind gewesen, ein Flüchtlingsjunge aus Bosnien, den ich einst betreute. Er mied mich dann den Rest der Zeit, in der ich im Heim Kinderbetreuung gemacht hatte. Ich hatte seine Angst gesehen. Die sollte aber niemand sehen. Er war kurz gescheitert. Ich bin an der Schauspielschule gescheitert, denn ich wollte auch nicht, dass jemand meine Angst sieht. Man sah sie aber oft und ich schämte mich. „Du hast Angst!“ sagte der stotternde Schauspiellehrer zu mir, ddddas ggggginge nnnnnicht am Ttttheater. Ich wolle sowieso zum Hörspiel, sagte ich daraufhin und verließ die Schule für immer. Nun bin ich tatsächlich beim Hörspiel gelandet und sehr froh darüber. Und doch habe ich einen Körper, der manchmal gerne etwas darstellen würde. Eine Geste machen will, beispielsweise. Gesten sieht man im Hörspiel aber nicht. Ich träume oft davon, dass ich eine Geste mache. Mit der Hand, an der ein viel zu langer Arm ist. So wie auf David Lynchs gruseligen Bildern die Männchen manchmal so ganz lange Arme haben. Meine Arme gehören aber nicht zu mir – das war schon immer so. Ich schaute sie schon in der Grundschule an und dachte: diese Arme will ich nicht haben, diese viel zu langen Schlenkerarme – sie sind mir so peinlich.