Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Tier

März 19, 2026

Man hat dem Katerchen seine Fellkugelchen geklaut. Er soll eine angenehme Hauskreatur werden, auch dann, wenn er zum Katermann geworden ist. Er soll sein wie ein Tier und doch nicht sein wie eins. So wie der Mensch ein Menschlicher sein soll, obwohl jeder doch weiss, dass Menschen immrzu unmenschlich sind, zum größten Teil jedenfalls. Manchmal ist sogar das Tier eher menschlich und der Mensch eher tierisch.
Beim Tierarzt steht ein „Girl“ neben dem Seziertisch, auf dem der seiner Kugeln beraubte schnaufend in der Box liegt, und es, das girl, sieht gar nicht aus wie ein Mensch, sondern wie eine Gestalt aus einem Animee-Film. Es will wohl Tierarzt werden. Niemals hätte ich, trotz meiner enormen Tierliebe, Tierarzt werden können. Ähnlich wie beim Hebammenberuf besteht er aus 80% Gewaltausübung. Ich kann zwar einen Schuh auf eine Spinne werfen, oder einen Stinkkäfer vom Balkon in die Tiefe fallen lassen, doch dies nur mit Reue und Beschämung. Selbst eine Mikrofliege, die ich mit dem Finger leblos drücke, macht mir später Kopfzerbrechen. Mein Leben besteht, wie Tierarzt- und Hebammesein aus Gewalttaten besteht, zum Großteil aus Kopfzerbrechen. Die Dokumentation über Kate Bush ist dann interessant, weil sie eine Alleingang-Künstlerin war. Sowas siht jeder gern. 1986 schenkte mir ein Schüler des Vaters die LP „Hounds of Love“. ich schaute mir dann jahrelang das Cover indem Kate in rosa Tüll mit Hunden schmust, an und hörte die Schallplatte immer wieder fasziniert an. Auf dieser Platte singt Bush relativ normal, nicht wie auf den früheren wie eine Mickey Mouse, was die Fans nicht störte. Sie macht viel mit Trommeln, tiefen Trommeln. Das ist nicht mein Ding, es wirkt auf mich wie künstlich kraftvoll. Trotzdem liebe ich die Erinnerung an diese Musikentdeckung. In der Doku wird klar gemacht, dass Alleingang-Frauen Power haben. Das stimmt wohl, doch fehlt ihnen auch was. Was – das muss ich noch herausfinden. Vielleicht stört mich, dass sie ihre Zittrigkeiten immerzu in Zaum halten.
Der frisch „ent-eite“ Kater liegt auf meinem Schoß. Er stinkt. Nach allem, was weg muss: Tier.