Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Idealgreise

Februar 10, 2026

In einem Bahnhofscafe setzt sich wegen Platzmangels eine schöne faltige Dame zu mir und erzählt mir ihr Leben. Sie ist damit befasst einen Maler zu verehren sowie zu unterstützen. Ich verstehe sie und nicke und bin nicht sicher, ob ich mehr wissen will, sie ist aber freundlich und ich habe das Gefühl, dass sie keine Telefonnummern austauschen will am Ende, und somit bin ich kommunikativ und schreibe sogar mit. Der Künstler sei sehr bekannt. Ich frage ob er aus der Stadt kommt, in der wir gerade sitzen und sie sagt nein, er lebe in einem kleinen Kaff in der Nähe von… , und sie sagt die Stadt, die ich gut kenne und dann auch den Ort, den sie Kaff nannte, in der dann die Frau wohnt, wegen der ich auf der Welt bin. Das gibts doch gar nicht, sag ich und sie lacht, als sei diese Wahrheit eine Lapalie. Sie muss dann los, ihr Zug wartet. Dann sitze ich allein da und frage mich, wie der Tag weitergehen soll. Ich lese, wie immer, wenn ich keine Zeit vergeuden mag. Der Autor spricht im Buch dann von jemandem als “ Idealgreis im Land der Abstraktionen“. Das könnte von meinem Vater stammen, denk ich und würde es gerne testen bzw. ihn mit jenem Ausspruch konfrontieren, wenn er zaudert: „Papa, sei einfach Idealgreis im Land der Abstraktionen!“
Ich weiss genau, was er entgegenen würde:
„Der bin ich doch längst!“
Der Mann, den ich lese, sagt dann noch: Leb, aber schweig! Und sagt das ganz allgemein und ich bin nicht sicher, ob er sich mit dieser Aufforderung nicht heftig getäuscht hat, denn er selbst ja schließlich ein Wortemacher sondergleichen – ein Schriftsteller – also niemals schweigend. Die neue Katze ist nun dermaßen schmusig, dass sie mich anspringt, wenn sich unsere Wege kreuzen und sich egal, was ich auch tue, auch wenn ich gehen, auf mich legt. Das Tier setzt das Lied der Liebe fort. Es frischt meine lahmgewordenen Empfindungen der Erwachsenheiten wieder auf.
Ich dann ja vielleicht mal die Idealgreisin im Land der Fellwesen.