Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Weihnachtsostern

März 26, 2026

Heute ist ein verdammt uneinheitlicher Tag. Gestern Abend las ich, wie immer, dem Mitschläfer etwas vor. Ich lese ihm seit Wochen ein grausames Buch vor, was mir immerzu das Einschlafen schwer macht. Es ist das Buch „Verstörung“ von Bernhard. Es geht viel um Grausamkeiten. Es werden in ihm Unmengen von Vögeln abgemurxt. Von Menschen ohne Gewissen. Ein Arzt muss diese Menschen besuchen. „Haus-besuchen“. Er nimmt seinen Sohn mit zu diesen Besuchen und der kann die Realitäten kaum fassen, so scheint es zumindest. Gestern nun war mir eindeutig nicht nach einer depressiven Einschlafphase zumute und ich las dem Mitschläfer einfach ein anderes Buch vor, kündigte es ihm jedoch nicht an. Da es in diesem Buch dann um Strafgefangene ging, merkte der Mitschläfer vorerst nicht, dass es sich um ein ganz anderes Buch handelte, als um das, in dem massenhaft Vögel massakriert wurden. Es ging dann im heimlich vorgelesenen Buch dann aber nur nebensächlich um die Gefangenen, Hauptsächlich um einen Vater, der zwar Gefängnisdirektor ist, aber eigentlich ein Pianist sein will und alle regelmäßig zwingt seine Spielkunst zu bewundern. Es ist dann alles sehr anschaulich geschildert und es gibt auch in diesem Buch durchaus eine problematische Spur, denn der Erzähler ist einer von drei Jungs, hat also einen älteren und einen jüngeren Bruder. Aus mir unerfindlichen Gründen, stelle ich mir das Leben mit ausschließlich gleichgeschlechtlichen Geschwistern immer als ein ungemein grausames vor. Woher diese Meinung nur kommen mag? Es spielt abei keine Rolle, ob alle Jungs oder alle Mädchen sind. Alles mehrmals vorhanden, ich kann es mir einfach nur schlimm vorstellen. Der Mitschläfer sagt dann nach etlichen Seiten sich endlich vorwagend: Das ist doch nicht Bernhard! Und ich stimme zu und sage, dass mir die Verstörung heute zu grausam gewesen wäre, das mit den Vogelmorden, besonders. Er hätte das gut gefunden, sagte der Mitschläfer und ich überlege dann, ob ich eine feige Person bin.
Am morgen rufe ich den Vater an und sage, dass ich an Ostern Ferien machen werde. Er ist schockiert. Nicht wegen der Ferien, sondern ganz allgemein, weil schon wieder Ostern ist. Ich habe dann auch dass Gefühl, dass die seit zwanzig Jahren im Schrank verweilenden scheußlich bunten Osterservietten schon wieder nicht benutzt werden würden, weil die von Weihnachten, die noch da liegen „noch gut“ sind. Es wird wohl einmal wieder ein Weihnachtsostern werden.