Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Aufrüttlungen

März 4, 2026

Im Treppenhaus, wo die zu überwinternden Pflanzen stehen, brechen einige Blüten unter den winterlichen Verkrustungen mit derartiger Kraft hervor, dass ich sie an die Luft zerre. Ich will immer alles an die Luft zerren. Alles ans Licht bringen. Im Keller finde ich einen Koffer voll Reibestäbchen, mit denen man Feuer machen kann: Streichhölzer. Was für ein schönes Wort. Wer hat es sich ausgedacht? Streich-Hölzer. Streich-Stäbchen könnte man auch sagen. Es gibt diese aber lediglich aus Holz, weswegen `Hölzer` schon gut passt. Es sind dann Streichhölzer aus aller Welt und ich erinnere vieles dann, als sei es gestern gewesen. Eine Hausnachbarin schenkte mir damals eine röhrenförmige Schachtel in Form eines dieser aus England bekannten königlichen Leibgarden, die mit den riesenhaften Bärenfellkappen. Darauf war ich damals stolz gewesen. Stolzsein lehne ich nun ab, mag das Wort Stolz so gar nicht und ekele mich fast vor diesem Seinszustand, den er beinhaltet. Die Katzen rasen im Kreis und sind so lebendig, dass es einen aufrütteln muss. Die Verstorbene war immerzu mit denken befasst. Alles wurde zerdacht bis nichts mehr übrig war. Auch Menschen. Thomas B. schreibt in einer Erzählung, dass ein Lehrer, der seinen eigenen Sohn in der Schule unterrichtete, diesen zweimal habe „sitzen“ lassen. Jemand sagt, Chaplin habe alle besiegt, in dem er sie gütig gemacht habe. Die Dialektik schießt einem unwillkürlich in die Augen: Sieg und Güte. Wie geht das zusammen? Jaja, dochdoch, bei der Bestie Mensch geht alles zusammen.

Hörtipp: https://www.hoerspielundfeature.de/hoerspiel-das-tier-der-zeit-100.html