Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Windrad hin, Windrad her

Februar 21, 2026

Wenn ich müde bin und mich nicht hinlegen will, weil ich Angst habe, dass ich etwas verschlafe, schreibe ich was. Wenn ich überdreht bin und mein Herz klopft wie ein Rhythmusgerät, dessen Batterie zu viel Volt hat, lege ich mich hin. Wenn der Raum im Dämmerlicht zerfließt, sitze ich da und hoffe, dass jemand kommt, der das Licht anmacht. Der Winter neigt sich dem Ende und nichts ist grausamer, als die Ahnung einer Frühlingsbrise. Frühling ist die schrecklichste Zeit, die es geben kann, denn sie täuscht uns vor, dass alles gut wird. Erst drehte sich das selbstgebastelte Windrad dann nicht. Ich bastelte ein weiteres, meinte es nun besser gemacht zu haben und es stürzte umgehend ab. Nun dreht sich ein Fertig-Windrad immerzu stabil, auch beim kleinsten und beim wildesten Windstoß stetig. Und es ist nun total langweilig es sich drehen zu sehen, denn, wenn etwas so zuverlässig funktioniert, hat man den Eindruck es sei ein ganz und gar totes Geschehen. Die Schauspielerin bewegt sich dann kleiderlos genauso wie in Jacke und Hose und ich frage mich, ob sie vergessen hat, dass sie nichts an hat. Ich verließ die Schauspielschule, als man ankündigte im nächsten Semster solle man kleiderlos in einem Kartoffelsack steckend etwas vorspielen. Die Idee habe einer namens Grotowski gehabt und es sei wichtig, dass man in dieser Prüfung nicht nur in einem Kartoffelsack stecke, sondern auch zu enge Holzschuhe trage. Nachdem ich nun längst keine Wahl mehr hatte, sass ich zuhause und sah mir die Bilder der Aufführungen an. Kunst konnte grausam sein. Dabei floh man doch in sie, um seine Ruhe zu haben. Der Mann hasste es auf die Frage, was er sei, „Künstler“ zu sagen. Nun verstand ich ihn. In Berlin würden am Ende alle in ein Loch fallen, sagt der andere Mann, der mich zum Essen einläd.
Ich war schon drin, steh nun oben und pass gut auf, denk ich. Zuhause haben die Katzen dann alles verwüstet. Dinge liegen rum, die eigentlich in Regalen stehen. Wüst sieht das aus, wie auf der Bühne von Antigone.