Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Echtes Leben

März 8, 2026

Bei einer Trauerfeier stehe ich am Pult und zitiere mich um Kopf und Kragen. Ich sage, dass so, wie eine ganze Stadt benötigt würde, wenn ein Kind käme, um dieses großzuziehen, ein voller Saal wie dieser (und ich zeige auf die vielen Trauernden) gebraucht würde, wenn jemand ginge. Ich hab dann kurz Angst, dass diese Behauptung nicht nur weithergeholt, sondern auch unsinnig ist, doch innerhalb von Sekunden beruhige ich mich selbst mit dem Gedanken, dass alles Sinn macht, auch dieser Satz, der ursprünglich von einem Dorf handelt.
Beim Leichenschmaus husche ich von Tisch zu Tisch und da alle Personen, die mir bekannt sind plötzlich in mir im Durcheinander enden, bin ich froh schließlich vor einer unbekannten grauen, aber frischen Dame zu sitzen, die zu Beginn unseres Gesprächs so wirkt, als wolle sie mich davon jagen und schließlich aber rüber guckt zu mir, als wolle sie mich adoptieren. Ich mag es sehr, wenn Menschen nicht eindeutig sein wollen oder können, und komme jedoch trotzdem nicht recht zur Ruhe. Viele grau-melierte Out-of-Time-People treffe ich noch und nie Leben waren mir die „Verblühten“ so nah. Nun kommt ein Neubeginn! Sagt dann jemand. Alle sagen meist kluge Dinge, wenn soetwas wie eine Beerdigung stattfgefunden hat. Die wenigsten trauen sich nicht gleich danach in eine Plapperstimmung abzugleiten und doch geschieht es dann. Ich bin dann auch plppermäulig drauf und war doch gerade aber noch schluchzend in einer Todessehnsucht drin gewesen. Man lebt eben noch, denk ich.
Der Vater lacht dann viel und ich bin froh, dass der Mensch anscheinend doch ein flexibles Wesen ist und beides kann: Weinen und Lachen am selben Ort. Allein zuhaus im Zimmer auf der Chaiselong, eher hängend, als sitzend, wo mich die Gedanken an die Person, die nun weg ist schließlich überfluten, und mir klar wird, dass sie doch neulich noch da gewesen ist, denke ich, dass es schnell geht, dass jemand weg ist. Ich beschließe dann ab nun Menschen, die ich von Herzen leiden mag, immer wnen ich sie antreffe, lauthalsige Hallos zuzuwerfen und das scheußliche Endgerät, dass übersetzt „kleine Hand“ heisst, wenn ich wieder einmal auf dem Land bin, in eine Jauchegrube zu werfen. Nur echtes Sprechen ist Leben. Alles andere verhindert es.