Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Alles einfach wegschaufeln

August 11, 2026

Habe ich meine Uhr nicht umgebunden und bin zeitlos in den Tag gegangen, werde ich keine Struktur in ihn hineinbekommen. Ist das Wetter dazu uneindeutig, wird alles noch massiver und ich fahre falsch und lande am falschen Ort. Ich bin dann den ganzen Tag über etwas gerührt. So, als sei irgendwas von großer Bedeutung geschehen. Ich muss dann einen Fahrradhelm kaufen, denn sonst könnte was passieren. Auch mit Sturzhelm sind aber Stürze möglich. Ich muss dann weinen. Wegen der Zeit, die immerzu vergeht. Überlege wie es aussieht mit Sturzhelm zu weinen. Ob es anders ist. Man weint ohne schutzloser, das ist ja klar. Und selbst der boshafteste Mensch ist ohne Sturzhelm schnell schutzlos und vielleicht auch gerührt. Ich bin sicher – schutzloser als mit Kopfschutz. Frage mich dann, wieso man eigentlich lediglich am Kopf Schutz braucht. Sind die Beine ab, aber der Kopf intakt, ist es doch auch nicht das Gelbe vom Ei. Die Sturzhelmfrage stellt sich bei mir erst, seit man gestürzt ist. Mir zumindest. Niemals hätte ich gedacht, dass ich einmal eine Helmträgerin sein werde. Es ist gar nicht so schlimm, wie gedacht. Im Zug zeigt uns ein Mann einen Orgonakkumulator. Ein Kasten, in den man sich setzt, um von Energie aufgeladen zu werden. Es ist durch dieses Thema eine fröhliche Zugfahrt gewesen. Trotz nicht idealer Umsteigesituation. Der Mann wollte einst einen Orgonakkumulator nachbauen. Wilhelm Reich sei wegen ihm ins Gefängnis gewandert. Nicht nur, sagt der Vater vorlaut. Er weiss sogar über diese Dinge bescheid. Seit er alt ist – lebt er immerzu auf. Und ganz junge (auch weibliche) Menschen lieben ihn plötzlich. Aber auch gleichaltrige und welche, die noch viel älter sind als er selbst. Es kann immer alles noch besser werden. Ich habe mein Zimmer gesaugt und Unsinniges entfernt. Nun wirkt es angenehm leer. Unsinnig war der Staub in den Ecken. Von wahrhaftigen Dingen kann ich mich nicht trennen. Der Mann erzählt, dass man in Hamburg ein Haus abreissen musste. Mit Inhalt, ein Betreten war lebensgefährlich. Stell dir vor, sagt er und guckt wie ein Geist, ein Schauffelbagger frißt dir dein Zimmer weg. Eine schöne Vorstellung sei das, sag ich. Und man lacht.