Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens. “
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Das Geräusch wäre entscheidend gewesen

Oktober 17, 2026

Im „Urlaub“ waren die Blätter fast alle noch grün. Hier nun – in der wilden Stadt- ist der indian summer längst in vollem Gange. Der röteste von allen Bäumen ist zu klein, als dass ich ihn vom Denktisch in normaler Sitzhaltung aus sehen könnte. Nur wenn ich mich strecke sehe ich seine oberen Leuchtblätter. Wie in Neonfarbe getunkt strahlt es. Jedes Jahr bin ich perplex wenns so ist, wie es ist. Ich kann mich nicht an stinknormale Abläufe gewöhnen. Ich bin sozusagen gewöhnungsresistent. Für den Urlaub habe ich dann aber wieder die Unterkunft gewählt, wo selbst die Körner im Salzstreuer abgezählt wirken. Geiz ist anscheinend weiterhin geil. Ich selbst bin in Dingen ein großer Geizkragen. Ich spare gern alles Verwendbare für den Notfall auf. Seelisch bin ich aber, zumindest hab ich so einen Eindruck, großzügig. Man kann mich dementsprechend ausdauernd behandeln als sei ich eine Notlösung. Ich kenne das Gefühl gut, eine zu sein, und habe mich daran im Gegensatz zum Herbstlaub gewöhnt. Ich mag es wenn ich, aber auch alles um mich, nur eine Notlösung ist. Ich habe zudem Spass daran solche zu finden. Komfort ist mir demnach fremd. Und doch habe ich Luxusgedanken was bestimmte Dinge betrifft. Es muss dinglich alles geschmackvoll sein, wahrhaftig geschmackvoll, nicht schnell zusammengekauft geschmackvoll, sondern man hat es nur schwer besorgen können – keine Massenware. Einmal stand ein alter schwerer roter Sessel auf der Strasse. Ein absolutes Unikat. Ich trug bzw. schob ihn falsch herum auf den Fahrradsattel gestülpt nach hause und bat jemanden ihn mir in den obersten Stock zu tragen. Gern, sagte der Muskelbepackte, und wunderte sich wie ich diesen von der Potsdamer bis zu mir heim hatte bewegen können. „Ich hab keine Angst dass was runter- oder umfällt! sagte ich. Ich liebe es sogar, wenn was immerzu „fast“ umfällt!“. Er stutzte. Der Herbst ist nun im Grunde der Sommer, der umfällt und zum Winter platt gelatscht wird. Im Traum sass mir neulich eine glänzende ganz und gar starre Riesenspinne im Gesicht. So deutlich in seiner Ekelhaftigkeit hatte ich noch nie was geträumt. Ein Freudianer hätte nun Spass. Ich habe mich nicht getraut, den Mitschläfer zu fragen, welches Geräusch ich dabei gemacht habe.