Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Auf dem Friedhof gefangen

Juni 28, 2026

Gestern wurde ich auf einem Friedhof eingesperrt. Ich hatte keine Uhrzeit im Blick, sondern die Natürlichkeit des Lebens bzw. des Ablebens und seine Folgen. Dann stand ich da, hinter einem Zaun aus dickem Metall, so hoch, dass ich nicht drüber hüpfen konnte. Da mein Daumen dann unstabil, da noch nicht vollkommen zusammengewachsen (ich hatte ein riesiges ungemein scharfes Messer säubern wollen, das niemand benutzt hatte, was den Vorgang noch sinnloser machte, als er sowieso schon war) befürchtete ich eine ziemliche Sauerei, wenn ich denn die Hand an dem er sitzt, zum Stützen in dieser Höhe anwenden täte und blieb vorerst in der vollkommenen Einsamkeit – am Zaun- stehen, so als sei er nicht zu, sondern ich nur in Gedanken. Da sowieso der endgültige Weltuntergang droht, überlegte ich, ob es nicht eine gute Idee wäre, mich gleich auf das Grab zu legen, in das man ja, dank des vorausdenkenden Vaters, dann mit hinein soll. Jemand empfahl mir schließlich aus einem Fenster heraus, mit Wucht auf die Klinke des Tors zu springen. Die, so der, sei deutlich in in dieser Weise benutzt worden und der Abstand, erst einmal erhöht stehend, dann nicht mehr ganz so unüberwindbar wie von unten gesehen. Das Schuhwerk dann nicht ideal und ich dann aber trotzdem mutig agierend, über das Hindernis gelangt. Es sah sicher komisch aus, denn ich bin ungelenk und habe einen Buckelansatz. Da ich auf dem Hinweg (zum Friedhof) einen nagelneuen Toilettenspülkasten, den ich unbedingt für des Vaters winziges Duschbad gebrauchen kann, denn er ist ein „Extrakleiner“ – sicher wenn überhaupt, nur „einmal benutzt“ und dann als nicht passend empfunden worden, auf den Müll geworfen, gefunden und dann mit mir geführt hatte (er passte im Gegensatz zu mir samt Kartonage durch die Gitterstäbe), war ich dann froh, nicht wie in der Not am Zaun gedacht, die 110 gebeten zu haben, mich zu befreien. Ich hätte rufen müssen, die sehr gut merkbare (auch für mich!) Zahlenkombi, denn das Handy lag daheim, wie immer, wenn ich es brauche. Der Daumen dann überhaupt gar nicht strapaziert worden, wie genau das geschehen konnte, kann ich nicht mehr sagen, er ist ja bei solchen Handhabungen eigentlich ganz automatisch dabei. Blut kam dann auch gar keins mehr, obwohl der Schnitt bis heute offen steht. Die Jodsalbe, die ich aus Vorsicht dann auftrug, war dann zwar bereits 23 Jahre abgelaufen und ich aber bis jetzt eindeutig am Leben und somit war wohl alles gut. Nun wäre ein echtes Gewitter (mit pladderndem Regen bitte) angenehm, um morgen gestählt in eine neue Phase des Daseins zu gleiten.