Bettie I. Alfred

September 17, 2020

Dies ist die Webseite von der Autorin und Hörspielmacherin Bettie I. Alfred. In der Seitenleiste finden Sie Informationen über ihr Schaffen. In ihrem Werk geht es meist um ein aberwitziges Dasein, das sie als lesende und schreibende Künstlerin mit einem tiefgreifenden Humor, dem meist eine Art romantische Ironie innewohnt und einem, mehr oder weniger scharfen, analytischen Blick für das (Ur-) Menschliche, in ihren Geschichten, die sie Gespinstteppiche nennt, darzustellen versucht. Frau Alfred ist es ein Anliegen die tristen Seiten des Lebens anzuerkennen und sie mit den durchaus ja auch ab und an erstaunlich schönen zu verbinden. Die Sprachlosigkeit zwischen den Zeilen interessiert sie dabei immer mehr, als die Tatsächlichkeiten.

„Ich will nur noch staunen – staunen über den Ernst des Lebens.
Bettie I. Alfred

„Aus solch winzigen Kleinigkeiten wie einem Husten, entwickelte sich monströs und gewaltig ein verlorener Nachmittag.“
Macs Blecher in Vernarbte Herzen

Meine Gedichte sind meist sekundenschnelle Sprach- und Gedankenspielereien und nicht zu verwechseln mit einer Realität.

Vintage-Bewegung

Februar 13, 2026

Das eigene Wertgefühl hat nichts mit Gold und Silber zu tun. Zumindest nicht, wenn
einem Gold und Silber vergiftet erscheint. Meinen ersten Kurzgeschichtenwettbewerb gewann ich damit, dass ich eine Kindlichkeit in mir beschrieb, die einen Stolz in sich trug darauf, dass ich Mülltonnen dahingegend inspizieren konnte, dass ich in ihnen wertlos gewordene Dinge als Zaubereien entpuppen konnte. Ich wurde dann mit dem Zeigefinger der Drumherumstehenden gestraft und schämte mich kurz für meine Spezialität. Dann kam die Vintage-Bewegung und meine Sammlungen erregten plötzlich mehr Aufsehen als die Mondsteinamulette der Dame von nebenan. Natürlich hatte ich eine Störung. Ich wollte arm sein, um keinem zu nahe zu treten. Bis heute vergesse ich beim Aus-dem-Haus-gehen meist ein Portemonaie, das Leere, aber erst recht das mit Inhalt. Ich sah einmal eine Dokumentation, in der ein Mann ohne Geld lebte und zwar aus Überzeugung. Das war faszinierend, aber er fror ja immerzu. Ich bewunderte ihn trotzdem.
Meine Wohnung, den Mann, die Katze und diverse Wasserkocher (die nur als Beispiel für einen immensen Dingbestand), fand ich ganz nebenbei am Wegesrand. Der Mann wirkte – da so stehend – so, als passe er zu mir. Er trug einen alten Fellmantel mit Löchern, die weisse Haut vorblitzen liessen. Als ich zu ihm ins längst überfällige Jugendzimmer kam, zeigte er mir seine CD- Sammlung. Ich kannte keine einzige, nur dieser Frank Zappa, den ich aber noch nie gehört hatte, hatte ich schon mal irgendwo gesehen. Ich mochte nur Schnulziges, der schien mir Kratzig zu sein. Wir küssten uns dann ein paar Stunden und man stutzte. „Was ist los?“ ich, und er, fragte, ob mich denn nichts stören würde. „Es riecht etwas nach Pipi Chat in deinem Zimmer!“ gab ich zur Antwort. Aber das war es nicht, was er meinte. Ob mich denn die Musik gar nicht stören täte. Ich horchte auf und plötzlich wurde mir bewusst, dass, seit ich auf Richards durchgewetzter Chaiselong lag, ein quälendes Gitarrengezerre durch meine Gehörgänge auf- und abgewandert war. Ich war wohl taub vor Begeisterung über Richards Anwesenheit gewesen.