Auf dem Friedhof ist es immer schön. Man hat seine Ruhe vor allem, nur nicht vorm Tod, der sich ja aber meist zurückhält. Das Grab, das ich anschaue, wird immer schöner. Wild, aber geordnet. Eigentlich bin ich ein Gegner von geordneter Natur, doch das Grab so klein, dass man es bald nicht mehr erkennen könnte, täte es verwildern. Sie wünschte sich eigentlich Rosen. Es stand jedoch bereits anderes auf dem sogenannten Mustergrab, was wir übernehmen konnten. Somit keine Rosen. Doch die Besucher bringen immerzu Rosen, weisse Rosen, wegen der Reinheit. Ein schönes Ritual, dieses „Blumen für die Toten“. Der Vater will Frieden und ist mutig im Fordern seiner Agenda. Er hat den klarsten Kopf der Erde und meldet sich immerwieder zu Wort. Somit erhört man ihn und es entstehen Gespräche. Gespräche gegen das Schweigen sozusagen. Am Ende einer Veranstaltung „gegen den Krieg“ bittet man uns die restlichen Brezeln mitzunehmen. Ich greife zu, denke man kann sie ja einfrieren und aufbacken, wenn es mal kein Brot gibt. Menschen kann man auch einfrieren, aber nicht mehr aufbacken. Wenn ihre Zeit abgelaufen ist, sind sie weg. Aber man kann an sie denken. An die guten Momente, die es mit ihnen gab. Es gibt immer gute Momente. Mit fast allen – wenn man stabil im Abseits bleibt. Und selbst die Häuser, die immerzu in Verzweiflung standen – stehen manchmal noch fester als zuvor. Der Brunnen plätschert. Ein hässlicher plastener Katzenbrunnen. Er klingt schön, gar nicht nach Plastik.