MEERKATZER (Hörspiel)

August 2022:
Ich nehme auf für das neue Stück:
Meerkatzer, oder der Kran übers Haus

Dezember 2022: Das Stück ist fertig. Es ist fast 90 Minuten lang und verströmt den Duft von warmer Langsamkeit…


Sendetermin: Sonntag, 19. 2. 2023 im SWR 2


An einem Sonntagabend am Springbrunnen im Gewitterpark begegnen
Loni und ihre nach 30 Jahren wiedergefundene Freundin zunächst
einem jungen Fuchs und dann einem kleinen, wirren Greis. Dieser stellt
sich ihnen als Schriftsteller Mak Meerkatzer vor. Sie genießt
die Situation als sei sie frisch verliebt, wenn auch rein platonisch. Sie liest
seinen Erstling und ersehnt eine weitere Begegnung mit dem lebhaften Schriftsteller, doch die Bank am Springbrunnen bleibt zunächst leer.

MEERKATZER – ODER DER KRAN ÜBERS HAUS

EIN SCHRIFTSTELLERISCHES SEHNSUCHTSHÖRSPIEL 

VON BETTIE I. ALFRED 

mit der Autorin, Mariana Kunica, Jens Harzer, Axel Grube, Leopold von Verschuer, Cordula Heiland und Sigrid Bischof

„Die ganze Geschichte begann an jenem Sonntagabend, wo ich mit der neugefundenen Bratschenfreundin, die den schönen Namen Jell trug und die ich ganze 30 Jahre nicht mehr gesehen hatte, wo ich also mit ihr an einem besonderen Platz saß, er war wie Jell, ein sanfter und doch so gewaltiger Platz. Sie war auffallend hübsch und ich auffallend, nun ja, nicht hässlich, aber doch anders, eckig und ungestüm. Eine freie Bank lud ein und wir saßen friedlich und doch angespannt und atmeten stockend aber fröhlich die laue Maienluft ein. Beim Kleingespräch über Urlaub und dass man keinen machen müsse, wenn es einem nicht läge, schaute mich plötzlich mit seiner zarten Kinderschnauze ein Fuchs an. Für einen Moment in die ganz gerade kurze Runde geblickt, verschwand er wieder und kaum hatten wir uns wieder beruhigt, stand er da: Der kleine wirrhaarige alte aber jung wirkende Greis. Er zeigte ins Gezwitschere der hohen Ahornbäume und schien beim Zögern etwas in Worte fassen zu wollen. Dann kam eine ‚Nacht‘ aus seinem Mund. Und ich vervollständigte mit einem ‚igall‘. Nein, entfuhr es Jell viel zu streng, das sei keine Nachtigall, sondern eine Amsel. Und ich war ganz irritiert, denn ich bemerkte, dass dieser Mann mehr Fühlfläche hatte, als wir alle zusammen, und er zudem mit seinen Worten, zwar mit heftigen Pausen dazwischen, poetische Kunstwerke schaffen konnte und alles schien sich in jenem Augenblick in mir ganz unverhofft zu regenerieren.“

Eine Begegnung wird zum Abenteuer… Abenteuer dabei nicht im üblichen Sinne, alles zerfließt und doch nicht. Es bleibt jeder bei sich und doch nicht… ein Ende ohne Anfang. Es geht um Poesie und das Gefühl zu einem Menschen, der sie schafft. Ein Mensch am Ende. Am Ende seines Schaffens und doch vergeht er nicht. Die zwei Frauen immer da und doch sprachlos im Sprechzwang gefangen.

Bettie I. Alfred




%d Bloggern gefällt das: