Archive for the ‘Der Mensch’ Category

…auf wackligen Stühlen

September 21, 2022

Jahrestag

September 20, 2022

Kaskaden

September 18, 2022

Am Morgen schweift der Blick durchs Zimmer. Die Schnelligkeit mit der alles mehr oder weniger fein säuberlich Geordnete wieder durcheinander geraten ist, ist phänomenal. Mein Blick fällt auf die Mickerpflanze, die ich erst vergas zu gießen, dann bewußt aussparte. Endlich ist sie hinüber. Ein Trockengebilde nun mit einer besonderen Aura des Vergehens um sich. Dann denke ich an mich und meine Zeit als Posaune (mit Posaune meine ich einen Mensch, der andauernd viel und ausschließlich Unsinn redet). Dann kommt mir der Satz, der der Mutter neulich gefallen hat, in den Sinn. Ich hatte ihr folgende Nachricht geschrieben:
melde mich bald am Telefon mal wieder…bin nur gerade sehr zerstreut, wie man so schön sagt… aber die Krümmel werden wieder langsam zu Kuchen…
Weil ich ein Notizbuch im Regen liegen ließ sind nun einige Seiten grün verschliert. Um mein Leben abwechslungsreicher zu gestalten, schreibe ich manchmal mit einer völlig anderen Farbe Notizen auf. Also nicht mit schwarz oder blau, sondern eben mit grün. Im Grunde ist der entstehende Effekt aber lediglich fürs Auge spannend, jetzt besonders, durch das Verwässern, für das Geistige ist die Farbe jedoch vollkommen unentscheidend. In einer Radiosendung über das Jahr 1991 hörte ich einen Abgrund an Musiken, die meine Jugend geprägt haben insofern, daß sie die Dumpfheiten des Seins unterstützten anstatt diese abwendeten. Auch der damalige Rat des Vaters einmal etwas Geisthaftes zu lesen prallte ab am Wunsch nach kompletter Zerdröhnung. I`ve got the Power, gab dann den Rest, prompt der Griff zur Austaste und um wieder aufatmen zu können weiter mit Basinski. Puh.

© Bettie I. Alfred, zwei Tage vorm Jubiläum…

Wandermenüs sind ungeheuer anregend

September 15, 2022

Mein Schicksalskoffer werde ich nun einmal auf dem Laufband liegen lassen. Der Abstand zu mir selbst ist längst dehnbar geworden und Gleichstand unter allen kann es sowieso niemals geben, immer bleibt einer bzw. eine in der Ecke stehen. Schickungshaftes Witzereißen, befreiend und doch eine alte Leier, wenn man den Punkt nicht rechtzeitig zu setzen vermag. Habe aus nostalgischen Gründen das Buch „Liebe allein genügt nicht“ von Bruno Bettelheim aus dem Regal geborgen, es war in den Abgrund hinters Regal gerutscht. Entscheide dann aber doch lieber die Werbebroschüre über die Pfalz, in der ich bis ich zu meinem neunten Jahr, gelebt hatte, anzuschauen. Ich muss staunen, denn das ist wahrlich das Paradies auf Erden. Landschaft, die alles hat, was der Mensch braucht: Wiesen, Berge, Himmel,Täler, Gestein und Wasser. Wie konnte man dort die Sachen packen und wegziehen? In die Zone? Das geht nur, wenn man vergeistigt ist und auf Biegen und Brechen (wie ich diese Redewendung doch liebe) nicht den Förster verkörpern will. Ich erinnere plötzlich wieder die ausladenden Spaziergänge (es waren für mich wohl eher Spazierläufe) durch die Weinberge an der Hand des Vaters. Mein Arm zunehmend ausgeleiert und dünn bis zur Zerreissprobe, weil er so große Schritte machte. Undenkbar, er mit einem fußlahmen Dackel an der Leine. Auch ich, oft irgendwo lädiert und dann einen Rollstuhl (den Seelenrollstuhl Lustigkeit besass ich schon) ersehnend. Der malade Dackel würde jedenfalls bei jener Schnelligkeit endlos zubeissen, in die vor ihm herumtanzende Wade. Ich versuchte mitzuhalten. Der Vater immerzu ein Wunder an Zielstrebigkeit.
Die Broschüre über die Pfalz dann ein sogenanntes Wandermenü. Wie kann es sein, dass ich nicht mehr dort war?

© Bettie I. Alfred, 15.9.2022