Nach einem belebenden Weihnachtsabend im Theater, wo alles nachgespielt wird, was in Wahrheit nicht auszuhalten ist, steige ich in die S-Bahn. Ein Mann ohne Obdach bricht weinend zusammen, kein Wunder es sind Minus 9 Grad und die Menschen um ihn herum sattgefressen. Er bleibt vor mir stehen und erzählt weiter weinend etwas Erschütterndes und ich sage, dass es mir leid täte. Ich gebe was und sage dann noch zwei mal, dass es mir leid täte. Wir steigen gemeinsam aus und schlittern übers Glatteis, er zur Notunterkunft, ich ins Warme. Ich hätte sie anschreien mögen, die Fettgefressenen, die ihn keines Blickes würdigten und doch verstand ich sie gut. Er hat keine Chance. Im Theater bat man um was für den Kältebus, gebefreudig stopfte man Scheine in die zu kleinen Büchsen. Dem Mann in der Bahn gab man ein paar Münzen. Peter Brook sagte, dass die Widersprüchlichkeiten, die das Theater darstellt, dem Zuschauer Mut fürs Leben geben sollen. Er sagte das wohl schon vor Jahrzehnten. Nun reicht es nicht mehr sich „Gespieltes“ anzusehen, um Mut zu schöpfen. Und doch kann das Spiel einen kurz entführen in eine Welt, wo alles möglich erscheint: Tod und Verderben, aber auch Schönes. Eine Frau ließ im wahren Leben in die Schränke Spiegel setzen, ihr Besitzt vergrößerte sich ins Unendliche. Was und wieviel wer zum Glücklichsein braucht, ist relativ, doch ein Zuhause braucht man wohl. Zumindest im Winter. Zumindest bei Minusgraden. Der Mensch kann ihn, diesen Winter, ohne ein Bett ja nicht mal verschlafen.