Windrad hin, Windrad her

Wenn ich müde bin und mich nicht hinlegen will, weil ich Angst habe, dass ich etwas verschlafe, schreibe ich was. Wenn ich überdreht bin und mein Herz klopft wie ein Rhythmusgerät, dessen Batterie zu viel Volt hat, lege ich mich hin. Wenn der Raum im Dämmerlicht zerfließt, sitze ich da und hoffe, dass jemand kommt, der das Licht anmacht. Der Winter neigt sich dem Ende und nichts ist grausamer, als die Ahnung einer Frühlingsbrise. Frühling ist die schrecklichste Zeit, die es geben kann, denn sie täuscht uns vor, dass alles gut wird. Erst drehte sich das selbstgebastelte Windrad dann nicht. Ich bastelte ein weiteres, meinte es nun besser gemacht zu haben und es stürzte umgehend ab. Nun dreht sich ein Fertig-Windrad immerzu stabil, auch beim kleinsten und beim wildesten Windstoß stetig. Und es ist nun total langweilig es sich drehen zu sehen, denn, wenn etwas so zuverlässig funktioniert, hat man den Eindruck es sei ein ganz und gar totes Geschehen. Die Schauspielerin bewegt sich dann kleiderlos genauso wie in Jacke und Hose und ich frage mich, ob sie vergessen hat, dass sie nichts an hat. Ich verließ die Schauspielschule, als man ankündigte im nächsten Semster solle man kleiderlos in einem Kartoffelsack steckend etwas vorspielen. Die Idee habe einer namens Grotowski gehabt und es sei wichtig, dass man in dieser Prüfung nicht nur in einem Kartoffelsack stecke, sondern auch zu enge Holzschuhe trage. Nachdem ich nun längst keine Wahl mehr hatte, sass ich zuhause und sah mir die Bilder der Aufführungen an. Kunst konnte grausam sein. Dabei floh man doch in sie, um seine Ruhe zu haben. Der Mann hasste es auf die Frage, was er sei, „Künstler“ zu sagen. Nun verstand ich ihn. In Berlin würden am Ende alle in ein Loch fallen, sagt der andere Mann, der mich zum Essen einläd.
Ich war schon drin, steh nun oben und pass gut auf, denk ich. Zuhause haben die Katzen dann alles verwüstet. Dinge liegen rum, die eigentlich in Regalen stehen. Wüst sieht das aus, wie auf der Bühne von Antigone.