Ich sitze, gerade mal am dritten Tag in meinem Fasten-Ritual angelangt, dem sich ein paar Scheiben “ Krakauer Wurst“ bratenden Vater gegenüber. Es riecht ausgesprochen lecker und er sagt, dass man beim Fasten doch ruhig etwas essen könne und kurz denke ich, dass er recht hat. Ich esse dann eine Gabel kaltes sehr schönes, wiel glatt und weiss schimmerndes, Sauerkraut und stelle mir dann vor, dass ich die rosa gebackene Wurst auch dazu esse, so wie er. Es geht, ob des starken Geruchs gut und ich gehe fast „ohne was“ verbrochen zu haben heim. Ich merke dann zuhause, dass etwas anders geworden ist. Ich schweige plötzlich an Stellen, wo ich früher Abwehrschwälle loswerden musste. Die grauenhaften Irritationen des Lebens hatten mich lange dazu getrieben. Es ist dann aber alles relativ. Meine Kindheit war traumhaft gegen andere Kindheiten gewesen. In „Verstörung“ schreibt Bernhard: Besser man sei fürchterlich angestrengt, als zutiefst verzweifelt. Der Vater ruft an und sagt begeistert klingend, dass mein neues Hörspiel ja ein Stück über Adultismus sei. Er habe gerade einen aktuellen Bericht in der Lehrerzeitung über dieses ihn ebenfalls betreffende Phänomen gelesen. Ich werde dann wohl langsam zeitgemäß, denk ich, ohne es zu sagen. Jemand macht dann Kunst im Briefmarkenformat. Ich sage: Wow, das macht was her!“ Die Künstlerin stutzt. Ich mein es ernst. Größe ist oft viel kleiner, als Kleine, denk ich dann, wie immer in Einfachheiten abschweifend, wenn ich meine etwas neues und sinnreiches entdeckt zu haben. Als ich am Abend heim komme hör ich im Bahngraben die Nachtigall singen. Das heisst so nicht: singen, es heisst:schlagen. Die Nachtigall hört man schlagen – nicht singen. Und sie ist auch nicht: schön bunt oder nachtblau, sie ist: klein und braun und man sieht sie nicht.