Dauernd schreib ich hier etwas und die großen Werke vergammeln in der Schublade. Die Krisen machen alle wuschig und jeder hofft, dass es noch eine Weile irgendwie funktioniert. Die Katze hat Atemnot, weil sie eine verstopfte Nase hat. Im Netz steht, ich soll eine Nasenspülung mit Kochsalz machen. Die Nasenlöcher des Tieres sind Pünktchen im Unklaren. Wie soll ich denn da ein Salzwasser hinein – und es auch wieder hinausbekommen? Ansonsten naht Ostern. Der Strauss, an dem die Eier dran hängen – er ist dieses Jahr ein Geäst aus dem Wald. Es sieht sehr interessant aus, wie die Knospen sich unverhofft dann entpuppen, entpuppen, als etwas grünes Blumiges. Der kleine Kater beisst immerzu hinein und will die Eier fangen. Alles fällt dann um und Wasser läuft über meine Mappe, wo die Abrechnungen meiner Buchkommissionen eingeheftet sind. Die Stempel verlaufen und ich freue mich, denn ich hatte sowieso keine Lust mehr in Berlin Bücher zu verteilen nur damit ein Hornochse eins kaufen kann und ich davon einen Witz kriege und mich aber als eine wahre Schriftstellerin fühlen soll. Natürlich schreibe ich den ganzen Tag und weiss, wie man es macht, inzwischen. Doch ist es, das Schreiben Komma eine Sache Komma die sich weitaus weniger lohnt als Hubabubah-Kaugummis aus den 80er Jahren, die ich in einem Karton auf dem Hängeboden fand, zu verkaufen. Im Internet wird jeder Quatsch verkauft und man bewertet sich und misst alles daran Komma wie viel Geld man bekommt für Dinge, die im Grunde niemand braucht. Heute habe ich alle Lesebrillen, die ich in der Wohnung fand, auf einen Haufen gelegt. Es waren bestimmt zehn. Man muss damit im Grunde zehntausen Bücher lesen, bis man diese Menge an Brillenmaterial aufgebraucht hat. Meist behandle ich die Sehgestelle gut, aber ab und an bricht doch etwas ab. Die Omas früher hatten nur eine einzige Lesebrille und die hing an einer Kette um ihren Hals. Wer immerzu Ketten um den Hals mit rosa oder elfenbeinfarbenen Brillen dran hängend trug, war früher eine Oma. Heute sind alle Omas bzw. keiner ist eine, und dasselbe ist es mit den Opas. An Feiertagen ist das Nichts noch viel präsenter, als an normalen Werktagen. Ich habe so viele Werke an werktagen geschrieben, dass ich im Grunde immerzu werktätig war, besonders eben während ich Buchwerke schrieb. Ich war dann auch meine eigene Werksleiterin. Ich habe das Geschriebene bewertet, beurteilt, was ich da schrieb, und es war immer dann eine Meisterleistung – immerzu Meisterleistungen habe ich hervorgestülpt. Der Psychiater sagte irgendwann – die Guten würden postum entdeckt. Es war sein Beruf so zu lügen, so zu lügen, dass der verwirrte Patient sich aufgebaut fühlte. Jemand sagt dann einmal im Treppenhaus zu mir: „Ich habe all deine Bücher gelesen! Du schreibst toll!“ Ich will umgehend sagen, dass das nicht sein kann, da ich nur eins geschrieben hätte, doch sie, es ist eine Frau, lässt mich nicht zu Wort kommen. Am Abend denk ich, dass ich es ihr unbedingt noch einmal sagen muss und rufe gestresst den Geliebten an, frage, was er dazu meine. „Lass sie doch in dem Glauben, dass du viele Bücher geschrieben hast. Sagt er und ich bin erleichtert. Lügen haben gar keine kurzen Beine, denk ich dann und schlafe schön wie lange nicht.
Frohe Osterhasen – schokoladen – eier – suche!