Sterile Mausefreiheit

Seit Jahren suche ich ein Lied mit der Textzeile „Is there anybody out there?“ Es ist nicht das Lied von David Bowie vom Raumfahrer Tom, dies ist aber das einzige, das mir immerzu angezeigt wird. Ich habe es schon in die KI gesungen – immer will man mir den Bowie-Song unterjubeln. Einmal träumte ich von einem anderen Song, der von der sogenannten Milchstrasse handelte, ich fand ihn dann tatsächlich und es war ein ganz simpler Song dann aus den 80er Jahren und ich war enttäuscht als ich ihn hörte, denn er war kaum schöner, als der, den ich geträumt hatte. Im Traum ist ja meist alles schöner, deswegen ja das Wort traumhaft, oder manchmal auch schlimmer, deswegen das Wort alptraumhaft. Im Traum ist die Welt, ganz im Gegensatz zu ihrem realen Zustand, in dem diese in ihrer Genauigkeit immerzu, wie es M. Blecher sagt, erbärmlich eingesperrt ist, eher ungenau und vernebelt. Ich denke das ist der Grund, warum man von traumhaft spricht. Das ganz und gar Genaue ist immer eine Last. Ob meiner Sammelleidenschaft für Dinge, die niemand braucht, schaue ich mir schließlich eine Influencerin an, die mir beibringen will Ordnung in meine Wohnung zu bekommen. Sie redet sehr schnell und die Taktik, alle Pausen wegzuschneiden, die mir auch einmal jemand aus dem Hörspielbereich empfahl (er war es wohl leid, dass ich eine Langsamkeit zelebrierte) macht dann, dass ich nichts aufnehme als Hast und Ödnis. Im Hintergrund sah man in ihrem Video die kahle tot-entmüllte Wohnung. Ich diskutiere dann mit einem anderen Sammler, ob es sinnvoll wäre unsere Leben in der Art der geordneten Frau zu gestalten. Wir diskutiere sehr lange und stellen fest: NIEMALS, es ist der Weg in die Hölle der Ödnis. Ich blicke dann anders auf mein Chaos. Denn, es ist in gewissem Sinne das selbe in Grün, wenn nicht noch in weitaus schlimmer, wenn man sich nur in klinischer Sauberkeit gefangen, wohlfühlen kann, und ein lebendiges (ja teilweise lebt es dann wirklich) Hin und Her unerträglich findet. Ich erinnere dann viele Besucher in meiner Wohnung, die nicht mehr gehen mögen, weil sie es so wie es ist, aufregend finden. Es ist also ein anderes Problem mit dem Chaos, das man meint durch gnadenlose Entsorgung lösen zu müssen: Das Anders-Sein. Ich muss daran denken, dass es den Satz gibt: krause Haare – krauser Sinn. Wie unsäglich stumpf dieser Spruch doch ist. Und ich komme nun zu dem Schluss, dass alles ein Problem sein kann: lebensfeindliche Ordnung, genauso wie lebensfreundliche Vermüllung. Doch lieber mag ich im lebendigen Chaos sterben, als in steriler Mausefreiheit.

Achtung:
Ein aufregend unaufgeregter Film des Ehemannes steht online: https://www.filmfriend.de/de/movies/cherchez-la-femme

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