Männer

Verallgemeinerungen beherrschen die Welt. Susette Rebekka Felsen, die Protagonistin meines neuen Buchs (Betrunkene Insekten) trinkt nicht, fühlt sich aber trotzdem – eben – wie ein betrunkenes Insekt. Nach meinem ersten öffentlichen Auftritt bekam ich den Rat beim nächsten mal solle ich mich vorher ordentlich betrinken. Meine Anspannung störte den Ratschläger. Heute sind meine Verspannungen Kult. Ich kann selbst nicht unterscheiden, ob ich es tatsächlich bin, oder spiele. Das ist aber auch ganz und gar egal heutzutage. Aus jeder „Meise“ wird gern Geld gepresst. Alle berichten über ihre Neurosen – selbst mit Psychoseerfahrungen geht man gern in Talkshows um diese haarklein zu erläutern. Die ganze Welt ist nur noch eine dämliche Riesentalkshow. Jeder will daran teilnehmen und seine einmalige Welt erklären. Im Buch muss dann auch Susette an einer Talkshow teilnehmen, allerdings einer kleinen in einer Künstlerkneipe, und sie wird von oben bis unten verlacht. Aus Zuneigung allerdings. Ganz unten in der Lachhaftigkeit angekommen, versucht sie sich zu erinnern, wann alles begann. In der ziemlich viel-, aber dann doch nichtssagenden Sendung, über das Scheitern als Schriftstellerin, erfahre ich nur Dinge, die ich schon weiss. Ein Ding davon: Es gibt keine Chance auf Verlegung. Ausser du triffst jemanden mit Interesse an deiner hastig sich ausbreitenden Art. Hahaha. Es ist wie im andern Leben auch, schmeckt dein Gekochtes nicht, will es auch keiner fressen. Alles scheint mir gerade in Lächerlichkeit unterzugehen. Das ist der Mai! Der mit seinem Grün der einzige ist, der überzeugt. Komisch, denkt Susette dann immerzu, sie hat noch nie Tabletten genommen, um bessere Laune zu haben und war auch noch nie in einer dieser übervollen Anstalten gewesen. Und das, obwohl um sie herum lediglich Monomanen (dieses Wort muss mir der Vater erklären, wieso das Monomanen heisst, oder heisst es gar nicht so?) lebten. Männer-Monomanen. Die Frauen auch Monomanen, aber mit weniger Durchsetzungsvermögen. Obwohl, am Strick, da hing dann ein Mann. Und nun, vorm Zug, wars auch ein Mann.