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Kratziger Winter und ein Abschied

Januar 12, 2026

Wie ein krustiges Gürteltier schiebe ich mich durch den Winter. Es ist ein harter, denn
ich fühle mich immerzu als ein Grade-noch-Objekt. „Gerade noch“ bin ich fröhlich, doch hauptsächlich fühle ich mich ungeeignet. Umgeeignet für alles und nichts. Nach den warmen Mahlzeiten überfällt mich meist ein Strudel aus beliebigen Gedankenströmen. Alles strömt nun auf mich ein und macht mich wirr – nun, wo du weg bist. Nur deine Dinge bleiben noch da. Du musstest gehen- gehen für immer, obwohl doch noch so viel im Raum gestanden war. Schöne Dinge hatten dich glücklich gemacht. Edle Dinge, die nun in Not sind, so ohne dich. Sie scheinen stumm zu rufen: seht uns doch an!
Jedes kleinste Etwas hatte für dich eine Bedeutung gehabt. Du warst eine Art zartwütende Kleinigkeitenprinzessin gewesen. Krümel regten dich auf wie andere Wespenstiche. Auch für mich hatten Dinge Bedeutung, aber nie so, wie Krümel und Kratzer für dich eine gehabt hatten. Es sollte vornehm sein, krümelos vornehm.
Ich konnte das schwer begreifen, erfreute mich stolz an trockenem Brot und lumpte mich in meine Kleider, die ich bald zum Teil seit einem Hundeleben lang anhabe. Ich mochte es, wenn etwas an mir dem Gegenüber eine lange lumpige Geschichte erzählte. Diese Geschichte dann nicht direkt öde, nur eben bedingt strahlend weiss. Kleinigkeiten im Glanz ertrahlen lassen, das war deine Art gewesen. Ich liebte eher den Schatten, die Augenringe.
Du warst anders. Wolltest es fein und vornehm haben. Jetzt fehlt was – mir- aber auch den andern. Vielen andern.
Ruhe sanft, du immerfort leicht vibrierende Kleinigkeitenprinzessin. Ich werde nun einmal versuchen deinen kleinen vornehmen Dingen zuzuhören: Der gläsernen Zuckerdose zum Beispiel – deren metallener Deckel ein winziger Schwan als Griff ziert. Zu laut wars immer mit dir, mit mir, mit uns, um ihr zu lauschen.

Ruh dich mal so richtig aus. Es war viel gewesen.