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Jeder hat ja zu was einen Hang

Mai 28, 2026

Die Zeiten sind um, wo man mit einem Ballonkaugummi und riesigen Blasen samt Knall sich selbst in Euphorie versetzen kann. Wegen einer massiven asthmatischen Erkältung fühle ich mich seit Tagen dem Tode geweiht und hing gestern im Sessel ohne jegliche Regung. Die Lösung dann: der Klang eines winzigen aber aussagekräftigen Charangos. Mein Trauminstrument neben dem Klavier. Beides leider unerreicht. Niemand getraute sich in meiner Kindheit eines von beidem zu kaufen. Das Klavier immer mit Angst vor hohen Kosten wegen der Stimmung und dem Transport besetzt, und ein Charango machte Angst, weil es so klein war. Kleinheit war in den 80er Jahren nicht erstrebenswert. Jemand kristisiert mein Schreiben, weil ich Worte einfach weglasse- meist Verben, die sich doch aber jeder denken kann. Die frühe Prosa Bernhards, die ich nun entdecke, nachdem mir eine Witwe diese aus dem Nachlass ihres Mannes vermachte, besteht ausschließlich aus Fetzen und Fragmenten. Die Fetzentechnik- sie ist doch die wahre Schreibkunst und nicht das ewig Ausformulierte. So stark wie seine Gedichte sind auch kaum seine langen Sachen. Wobei man seine Gedichte nicht versteht, wenn man nicht seine Romane gelesen hat. Sätze wie: Jeder hat ja zu was einen Hang beglücken mich in seiner vollkommenen Unvollkommenheit vollkommen.
Ich habe viele Hänge. Heute Nacht träumte ich ein Mann, den ich sehr reizvoll finde, bäte mich unter seine Bettdecke. Ich zögerte und sagte dann den eindrucksvollen Satz: Sie glauben gar nicht zu was so etwas hinführen kann. Dann wachte ich auf und war enttäuscht, dass ich es nicht unter die Decke des Mannes gebracht hatte. Selbst in Bayern saßen übrigens im Zug kreuz und quer Paare, die man nicht für solche gehalten hat. Doch als man aus dem Zug stieg sorgte man derart füreinander, dass klar war, dies tun nur Paare. Das Abschiedsgeschenk ist nun ein Bronchialkartharr, den man mir durch die Sitze hindurch angehängt hat. Und noch mehr kranke Sachen plagen mich. Doch heute morgen beim Aufwachen dachte ich mal wieder: es ist ein Glück krank zu sein, denn wie würde man sonst den Unterschied doch niemals bemerken. Zu was ist klar, oder? Mein bisher einziger Verleger weist freundlicherweise auf mein neues Hörspiel hin: Es ist ausschließlich für die erwachsenen Leut gemacht, auch, wenn ein Kind die Hauptrolle spielt. https://onomato.de/