Posts Tagged ‘Mein genialer Vater’

Jan Christ im Film

Oktober 31, 2026

Lese aus Ermangelung von Lektüre mein eigenes Notizbuch in einer Weise, als sei es ein Fremdtext. Bin dann begeistert von mir selbst und denke an den Schriftsteller Jan Christ, der immer betonte, dass JEDER SICH SELBST IST. Das ist doch eigentlich sehr schön, dass das so ist, denn somit sind wir alle anders und doch eint uns so einiges. Ich schneide meine 4-Stunden Lesung vom neuen Hörspieltext (Das Buch JUL, von Sabine Hassinger). Versuche auch hier das Ganze anzuhören, als sei es eine andere, die da spricht. Stellenweise funktioniert es so gut, dass ich tatsächlich nicht mehr recht wahrnehme, dass ich das bin. Juhu. Einen Abstand zu sich selbst haben, ist das Schönste. Nur so wird man sich aushalten können. Jahrzehnte sass ich nur so da und bewegte das Nichts. Jetzt bewege ich zumindest meinen Arsch und treffe Künstler und tausche mich aus. Sich austauschen – mir war nicht klar, was das bedeuten kann. Sehe einen Film, den ich mit 30 sah und bin erstaunt über die Vielfalt der Ausdrucksweisen, die man sich damals zu Gemüte führte. Ein wildes Spektakel mit viel kraftvollen Kunstideen. Kraft ist eine Sache, die man vielseitig bewerten kann. Sie kann schnell die Weichheit zertrümmern, die meiner Meinung nach unbedingt den Gegenpol bilden muss. Aber wie die Dosis finden? Ich bin sehr gespannt auf Tete Hoffmanns Film über ihren Vater Jan Christ. Der hatte beides: Kraft und Weichheit.
Ihr Film hatte gestern Premiere in Leipzig. Ich habe schöne Erinnerungen an dieses Festival. Ich drücke die Daumen für diesen Film, der einen Menschen ehrt, der mich einmal im Park mit dem Hinweis auf eine Nachtigall auf neue Gedanken brachte.